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Madonnas letzter Traum

von Doğan Akhanlı


Inszenierung Susanne Schmelcher |

Premiere März 2021 | Dauer n.n.

Der türkische Schriftsteller Doğan Akhanlı hat lange in Köln gelebt und ist einem breiteren Publikum zuletzt durch Verhaftung in Granada bekannt geworden, den Bericht von seinem durch das Erdogan-Regime verfügten Arrest im Spanienurlaub und die sich daran anschließende Freilassung dank Vermittlung der EU. Sein bereits 2006 erschienenes Epos Madonnas letzter Traum ist ein faszinierend vielschichtiger Text, der das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte aus ungewohnter Perspektive beschreibt: Vermittelt über die Figur des türkischen Schriftstellers Sabahattin Ali und seine Beziehung zu der jüdischen Diseuse Maria Puder gibt Akhanlı Einblick in Aufstieg und Etablierung des nationalsozialistischen Regimes im Berlin der 1930er Jahre aus der Sicht eines Emigranten. Der virtuos erzählte und verschachtelte Roman zeichnet ein Geflecht historischer Stimmen nach, die in dieser Konstellation noch nie zuvor hörbar wurden und bündelt dabei Handlungsstränge, die vom Untergang des seeuntauglichen Flüchtlingsschiffs Struma vor der türkischen Küste im Jahr 1942 bis zur aktuellen Situation des Schriftstellers reichen, der die Katastrophe sechs Jahrzehnte später zu rekonstruieren versucht.